Wie Werte im Unternehmen gelebt werden

Christen berufen sich u.a. auf Barmherzigkeit und Nächstenliebe; beim Sport wird Fair Play großgeschrieben. Geteilte Werte schaffen ein “Wir-Gefühl” und sind Voraussetzung dafür, dass sich Gemeinschaften bilden. Auch Unternehmen sind Gemeinschaften. Hier kommen Menschen zusammen, um an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Doch was können Werte im Unternehmen bewirken und wie können diese gelebt werden?

Was sind Werte?

Werte sind Teil des Fundaments von Gemeinschaften und Grundpfeiler von Gesellschaft. Sie helfen eine Gesellschaft überhaupt zu formen, denn sie definieren, was gut und schlecht, was wahr und falsch, was wünschenswert und vermeidbar ist. Werte sollten ethische und moralische Handlungsgrundsätze darstellen. Innerhalb einer Gesellschaft besitzen sie universellen Geltungsanspruch. Das heißt: Sie gelten für jeden gleich.

Werte können durch eine gemeinsame Sprache, Geschichte, Weltanschauung oder auch eine geteilte Mission entstehen. Letzteres hat dazu geführt, dass heutzutage in vielen kleineren oder größeren Unternehmen Werte eingeführt werden. Richtig ein- und umgesetzt können Werte die Mitarbeitenden motivieren, eine gemeinsame Mission zu erfüllen, und dabei das Zusammenarbeiten positiv zu gestalten.

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 Warum brauchen Unternehmen Werte?

Jede und jeder von uns lebt in einem oder gar mehreren Wertesystemen – sei es aufgrund des Wohnorts, der Sprache oder Religion. Warum braucht es da noch Unternehmenswerte on top?

Werte, die eine Arbeitskraft bereits aus anderen Lebensbereichen mitbringt, müssen nicht zwangsläufig mit denen anderer Arbeitnehmer:innen des Unternehmens übereinstimmen. Und das ist auch gut so. In einer globalisierten Welt sollten Unternehmen nach mehr Diversität streben, denn Vielfalt fördert Kreativität, Produktivität und Integrität. Um sich divers aufzustellen, müssen Arbeitskräfte mit unterschiedlichen Wertesystemen zusammenwirken und es kann zu interkulturellen Missverständnissen kommen. Deshalb ist es wichtig, sich auf gemeinschaftlich geteilte Vorstellungen von Zusammenarbeit zu einigen. Nur mit einem geteilten Wertekatalog oder einem Wertesystem, mit dem sich alle Mitarbeitenden in einem Unternehmen identifizieren können, kann eine harmonische Arbeitsatmosphäre entstehen und an einer Vision gearbeitet werden.

Werte dienen als nicht monetäre Motivation und tragen wesentlich zur Unternehmenskultur bei – und diese ist wiederum ein wichtiger Erfolgsfaktor. Durch die gemeinsame Definition der Zusammenarbeit über ein Wertesystem, das alle Mitarbeitenden betrifft und durch den Arbeitsalltag begleitet, wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Auch für die externe Wahrnehmung eines Unternehmens sind Werte und die darauf aufbauende Unternehmenskultur relevant. Sie sind ein wichtiger Bestandteil um die Attraktivität eines Unternehmens für potenzielle, zukünftige Arbeitnehmer:innen zu erhöhen. Sie prägen das Image eines Unternehmens und zeigen so auch Interessenten, wie sich der Arbeitsalltag und die Atmosphäre in einem Unternehmen anfühlen könnte. Last but not least werden aber auch immer öfter Konsumentscheidungen ganz bewusst anhand von mit Unternehmen verbundenen Werten getroffen. Werte haben also letztlich auch maßgeblich Einfluss auf das Selling.

Die Unternehmenswerte finden

Einmal für die Definition von Unternehmenswerten entschieden, stellt sich die wichtigste Frage: Welche Werte passen zum Unternehmen? Unternehmenswerte müssen helfen, Entscheidungen zu fällen. Sie sollten das Handeln einer jeden Arbeitskraft leiten und sich im Arbeitsalltag widerspiegeln. Außerdem sollten Werte repräsentieren, wofür das Unternehmen und seine Mitarbeitenden stehen.

Statistik und Wissenschaft hilft hier nur bedingt weiter. Zwar sollten die Werte zeitlos sein, müssen aber regelmäßig aufs Neue hinterfragt werden. Externe Faktoren beeinflussen uns und unsere Werte kontinuierlich, so kann es auch zu einem bestimmten Zeitpunkt dazu kommen, dass die Werte angepasst werden müssen.

Werte leben

Sind die Werte einmal definiert, müssen diese nur noch im Unternehmen bekannt gemacht werden. Leichter gesagt als getan! Über die Phase, in der die Werte einfach als Banner im Büro aufgehängt wurden, ist die Arbeitswelt weit hinaus. Werte müssen tatsächlich gelebt werden. Doch was bedeutet “tatsächlich leben” in diesem Zusammenhang? Hier gibt es natürlich viele Wege. Ein paar davon möchte ich am Beispiel des digitalen Personaldienstleisters Zenjob aufzeigen.

Interne Kommunikation

Ein wichtiger Faktor ist natürlich die interne Kommunikation. Das beinhaltet nicht nur das Promoten und Thematisieren von Werten, sondern auch die Offenheit, kritisch über die Werte mit den Angestellten zu diskutieren. So können Werte auch als Anleitung zu Feedback-Gesprächen oder als Hilfe zur Selbstreflexion dienen. Bei Zenjob gibt es hierfür beispielsweise regelmäßige Feedbackrunden, die auf allen Ebenen – und auch zwischen Ebenen und Teams – funktionieren. Eine Kategorie sind dabei unsere Unternehmenswerte: #honest, #helpful, #hungry und #humble. Dabei kann man sich zum Beispiel selbst fragen, welche dieser Werte man am besten im Arbeitsumfeld lebt oder auf welche Werte man in Zukunft ein besseres Augenmerk haben sollte.

Involvement

Um auch alle neuen Mitarbeitenden zu involvieren, wird schon im Onboarding-Prozess darauf geachtet, dass alle die Werte kennenlernen und richtig verstehen. Dies kann spielerisch mit Videos passieren oder auch interaktiv gestaltet werden, indem die Neuankömmlinge erzählen dürfen, welche Werte in ihrem Privatleben wichtig sind und wie sie die Unternehmenswerte deuten würden.

Präsentationen und Meetings

Eine weitere Option, um die Unternehmenswerte sichtbar zu machen, sind interne Präsentationen und Meetings. So hat sich Zenjob zum Beispiel dazu entschieden, das monatliche Firmenupdate (“All-Hands”), in dem aktuelle Entwicklungen, Erfolge und Entscheidungen an die Belegschaft präsentiert werden, anhand der Werte zu strukturieren. Es gibt zu jedem Wert eine Sektion, die passende Einblicke in diverse Unternehmensbereiche bietet. In der Sektion #honest werden beispielsweise Projekte von Teams vorgestellt, die nicht so liefen, wie geplant. Natürlich bietet das Meeting auch Raum für Best Practices.

Externe Kommunikation

In der externen Kommunikation haben sich Beiträge in diverser Form oder verschiedene Social Media Kanäle bewährt. Zudem dienen Interviewreihen mit Mitarbeitenden auf der Karriereseite als Informationsquelle für interessierte Bewerber:innen.

Kreative Aktionen

Auch kreative Aktionen können an die Unternehmenswerte anknüpfen und dabei eine interne und externe Wirkung haben. Sei es eine Spendensammlung zu Weihnachten (#helpful) oder ein Wettkampf darum, wer die lustigsten GIFs zum Thema #hungry findet.

Es können demnach immer wieder verschiedene Wege gefunden werden, Werte in einem Unternehmen zu leben. Dies muss also nicht eintönig oder langweilig werden, sondern kann abwechslungsreich und unterhaltsam gestaltet werden.

 

Über die Autorin

Sandra Maria Hanisch hat Soziologie in Innsbruck und Berlin studiert. Seit dem Ende des Studiums arbeitet sie bei Zenjob im Bereich Public Affairs und Kommunikation. Ihre Themen sind dort New Work, Zukunft der Arbeit, Digitalisierung der Arbeitswelt und die Plattformökonomie. Dabei sitzt sie an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Zenjob wurde 2015 in Berlin gegründet und bietet seitdem einen Service zur app-basierten Vermittlung von Nebenjobs an.

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