HR Start-ups: auch in der Krise experimentieren

Die Coronakrise trifft Unternehmen hart – diejenigen, die nicht etabliert sind und um jeden Kunden, um jede Finanzierungsrunde kämpfen, besonders. Doch Start-ups prägen Innovationen – HR Start-ups revolutionieren Prozesse und legen damit das Fundament für die Digitalisierung in Unternehmen. Es wäre fahrlässig, sie in der Krise aus den Augen zu verlieren.

Start-ups im Bereich Personalmanagement sind etwas ganz Besonderes. Denn meist betreffen sie nicht nur „die Personaler“ als Anwender, sondern wirken tief hinein in die Organisationen. Sie leisten einen großen Beitrag zur Digitalisierung von Unternehmen, da sie Prozesse in zentralen Themengebieten wie Recruiting, Talent und Performance Management oder Personal- und Organisationsentwicklung optimieren – und damit meist nicht nur wirtschaftlich effizienter, sondern auch nutzerfreundlicher machen. Sie sorgen im besten Fall dafür, dass die Personalabteilung schlagkräftiger wird, dass neue Formen der Zusammenarbeit möglich und die Candidate oder Employee Experience verbessert werden – Kandidaten und Mitarbeitende also gute Erfahrungen mit ihrem Unternehmen machen. Ohne HR Start-ups wäre vieles, was man heute unter dem Begriff New Work zusammenfassen würde, nicht denkbar.

HR Start-up Award: Bühne für Innovationen im Personalwesen

Um auf dieses bedeutende Wirken von Start-ups in HR hinzuweisen und die jungen Firmen näher an die Personalverantwortlichen zu bringen, habe ich vor fünf Jahren gemeinsam mit TUI-Personalvorständin Elke Eller und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) den HR Start-up Award ins Leben gerufen. Ich bin dem BPM sowie seiner Präsidentin, Inga Dransfeld-Haase, die zur Jury des Awards gehört, dankbar, dass der Award auch im Corona-Jahr 2020 im Rahmen des Personalmanagementkongresses (PMK) stattfinden konnte. Denn ganz besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir Innovationen und den Menschen dahinter Aufmerksamkeit verschaffen. Dies ist uns mit den Live-Pitches von Jobpal sowie von Danielle Software und Userlane – der vom Publikum gewählten Doppelspitze – gelungen. Ihre Tools sind beispielhaft für den rasenden digitalen Fortschritt unserer Profession.

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Beispiel Jobpal: Chatbots für das Recruiting

Jobpal entwickelt beispielsweise Chatbots im Bereich Recruiting. Sie haben sich allen Widerständen zum Trotz dazu entschieden, eine eigene Engine im Bereich Natural Language Processing, oder kurz NLP, aufzubauen. Dabei hat man sich von den großen Playern nicht ins Bockshorn jagen lassen. Heute ist ihre Sprach-Engine weltweit führend. Und wenn Kandidaten dadurch zeit- und ortsunabhängig individuelle Fragen an einen Chatbot stellen können und dieser ihnen rund um die Uhr ebenso individuell antworten und somit weiterhelfen kann, ist das ein klarer Fortschritt in der Recruiting-Kommunikation.

Beispiel Danielle Software: agile Personalorganisation für KMUs

Danielle Software bietet wiederum IT-Lösungen, die KMUs dabei helfen, unflexible, aufwendige und papierlastige HR-Prozesse zu digitalisieren und diese dadurch effizienter und mitarbeiterfreundlicher zu machen – ein echter Mehrwert für Unternehmen und durch das Ziel einer einheitlichen europäischen HR-Prozessplattform sogar visionär.

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Beispiel Userlane: das „Navi“ für Software

Userlane überzeugte wiederum mit einem Tool, das wohl auch viele Privatnutzer gerne anwenden würden: eine Art Navigationsgerät, das Nutzern innerhalb einer Software anzeigt, wie sie bei der Ausführung individueller Prozesse ans Ziel kommen. Was wie ein kleines Ad-on daher kommt, ist letztlich ein Gewinn für Firmen in der digitalen Transformation – insbesondere, wenn man sich die enorme Frequenz von Programmreleases heute vor Augen führt.

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Digitale Innovationen in der Coronakrise

Damit Innovationen wie diese sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durchsetzen können, braucht es zunächst natürlich das Vermögen seiner Entwickler. Denn die Wartezeit bis staatliche Förderungen wirken, überleben viele nicht. Was immer schon galt, ist heute umso wichtiger: Start-ups müssen einen faktischen Mehrwert bieten und dieser liegt gerade jetzt darin, Prozesse schlanker, effizienter, effektiver und damit auch finanziell und personell ressourcenschonender zu machen. Konnte man in den fetten Jahren vielleicht auch noch mit Tools punkten, die sexy designt waren und nur ein kleines Schrittchen nach vorne machten, sollte jetzt ein klar darstellbarer Innovationssprung angeboten werden, der den anwendenden Unternehmen ermöglicht, Geld, Zeit oder Personeneinsatz zu sparen. Es gilt also mehr denn je, schnell und leicht verständlich anhand harter Kennzahlen zu überzeugen.

Start-ups eine Chance geben

Hierfür braucht es am Ende jedoch auch Instanzen, die sich überzeugen lassen: die Unternehmen, die die Tools der Start-ups nutzen. Hier appelliere ich leidenschaftlich und aus voller Überzeugung auch in der jetzigen Zeit für die Lust am Experiment. Große Unternehmen sollten gemeinsam mit Start-ups ausprobieren, lernen und verwerfen. Wenn jedes B2B Start-up durch die Konzernmühlen von IT, Compliance, Business need etc. gedreht wird, ist am Ende nichts mehr übrig. Hier hilft es, ein klares Zielbild zu einer möglichen Kooperation zu formulieren und dieses unter Umständen auch mal gegenüber zu restriktiven Eingriffen zu schützen

Start-ups und Konzerne: Gegenseitiges Verständnis geboten

Doch auch die Start-ups müssen sich an der Umsetzbarkeit ihrer Ideen auch in großen Organisationen messen lassen. „Jugend forscht“ ist manchmal charmant, aber hilft langfristig nur wenig weiter – auch bei den Start-ups braucht es also mehr Verständnis für die Anforderung der „anderen Seite“. Erkenntnisse über die gegenseitigen Erwartungen liefert u.a. die Studie „HR Start-ups auf dem Prüfstand“, die die Wiesbaden Business School und das Personalmagazin gemeinsam mit der hkp/// group dieses Jahr veröffentlichten.

Zeit für Innovationen ist ohne Alternative

Das wechselseitige Verständnis unter Start-ups und Konzernen ist unabdingbar für die Innovationskultur in der Wirtschaft. Und wenn wir eines nicht zulassen dürfen, dann ist es, dass Unternehmensverantwortliche vor lauter Brandbekämpfung in der Wirtschaftskrise keine Zeit mehr aufbringen, um sich mit Innovationen und Innovatoren auseinanderzusetzen. Wer sich die Zeit nicht nimmt, verspielt seine Zukunft.

Natürlich steht bei der Krisenbewältigung die Liquiditätssicherung am Anfang – und das ist definitiv herausfordernd. Wer sich aber nur darin übt und nicht gleichzeitig auch mit einem Auge das gegenüberliegende Ufer im Blick behält und darüber nachdenkt, wie das Unternehmen auch nach der Krise noch am Markt bestehen kann, wird von Konkurrenten, die weiter gedacht haben, überholt. Insofern sollten sich alle Unternehmen fragen, wie die aktuelle Krise ihr Geschäftsmodell kurz-, mittel- und langfristig beeinflusst und sich entsprechend aufstellen – auch intern. Start-ups im Bereich Personalmanagement können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Beginnen Sie zu experimentieren!

Am Ende können auch Sie einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. Denn HR Start-ups machen Unternehmen, deren Personalmanagement und die Leistungen für Mitarbeitende – wie dargestellt – potenziell wirtschaftlicher. Und alles, was hilft, wirtschaftlicher zu sein, leistet einen Beitrag dazu, die aktuelle Krise zu meistern.

Verlieren Sie Start-ups also auch und gerade in der Krise nicht aus dem Auge, geben sie ihren Produkten eine Chance und beginnen Sie zu experimentieren!

Über den Autor

Michael H. Kramarsch im hkp/// group Office Frankfurt.

Michael H. Kramarsch führt als Gründer, Delegierter des Verwaltungsrats und Managing Partner die hkp/// group. Er zählt zu den führenden Experten für wertorientierte Unternehmensführung, Corporate Governance, Performance Management und Top-Executive-Vergütung und hat in diesen Themen als Sachverständiger verschiedene Regierungskommissionen beraten. Als Investor fokussiert er sich auf HR Start-ups. So hat er u.a. mit dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) den in 2020 im 5. Jahr vergebenen HR Startup-Award ins Leben gerufen, dessen Jury er als Co-Chair vorsitzt.

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