New Work – auf dem Weg in die neue Arbeitswelt

Wie geht #NewWork, wo fängt man an? Die Antwortet hängt von zwei Fragen ab: Wie will ich in Zukunft arbeiten? Und: Wie wollen wir künftig zusammenarbeiten? Sie bilden für mich die Grundlage für eine Zukunft, in der wir Digitalisierung und Vernetzung in unserem Sinne ausschöpfen – persönlich und unternehmerisch.

 

New Work aus persönlicher Perspektive

Also starten wir mal mit der persönlichen Betrachtung. Die Frage „Wie will ich arbeiten?“ klingt zwar erst mal recht trivial. Und ja, oberflächlich, lässt sich so eine kurze Frage auch relativ schnell beantworten. Wenn wir jedoch in die genauere Betrachtung gehen, dann wird es fast schon philosophisch. Denn die Frage zwingt uns förmlich dazu, uns mit unseren persönlichen Bewertungsmaßstäben auseinandersetzen:

Was ist mir wichtig? Was möchte ich mit meiner Arbeit bewirken? Was brauche ich, damit mir meine Arbeit gut tut? Welchen Maßstäben folgt mein heutiges Tun? Sind das meine persönlichen Maßstäbe, oder folge ich impliziten Regeln meines Umfelds? Was davon macht überhaupt Sinn?

Das eigene Denkmodell über Arbeit hinterfragen

Dabei hilft es auch das eigene Denkmodell über Arbeit zu hinterfragen. Denn was Arbeit ist, darüber gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Für die einen ist Arbeit ein Synonym für Erwerbsarbeit oder genauer gesagt, die entlohnte Zeit, die man für ein Unternehmen tätig ist. Worauf diese Tätigkeit abzielt, ist erst einmal zweitrangig. Für mich persönlich ist Arbeit der Versuch, wertschöpfend tätig zu sein. Daraus folgt: nicht immer, wenn ich am Schreibtisch sitze und etwas für die Firma tue, arbeite ich! Gleichzeitig bin ich nicht automatisch untätig, wenn ich zu Hause auf dem Sofa sitze. Denn Wissensarbeit, lässt sich in kein Gebäude sperren und an keinen Ort binden. Sie passiert manchmal auch einfach nur so – beispielsweise, wenn beim Duschen plötzlich die langersehnte Idee als Geistesblitz über mich kommt.

Aber zurück, zu unserer Ausgangsfrage: „Wie will ich arbeiten?“ Hier kann es aus meiner Sicht keine abschließende Antwort geben. Denn in ihr spiegeln sich Präferenzen wider, die Ausdruck der persönlichen Entwicklung, der aktuellen Lebensumstände wie auch des beruflichen Umfelds sind.

Die Organisations-Perspektive: Wie wollen wir in Zukunft zusammenarbeiten?

Wie sieht das nun mit der zweiten Frage auf dem Weg zu „New Work“ aus? Hier fragt sich ein Team oder eine ganze Organisation: „Wie wollen wir zusammenarbeiten?“ Das klingt jetzt erst Mal nach chilliger Sofaecke und Tischkicker. Und auch wenn die Frage erst mal ganz harmlos und unschuldig daherkommt, hat sie es doch faustdick hinter den Ohren.

Wer diese Frage offen stellt, der wird sich, wenn alles gut läuft, intensiven Auseinandersetzungen stellen dürfen. Damit meine ich aber nicht, Konflikte zwischen unternehmerischen und persönlichen Interessen. Vielmehr ist es eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven auf die gemeinsame Wertschöpfung. Denn die Auffassungen bezüglich gelingender und gelungener Wertschöpfung sind oft sehr unterschiedlich.

Durch einen Aushandlungsprozess eine gemeinsame Basis schaffen!

Wie schaffen wir den besten Mehrwert für unsere Kunden? Was braucht es, damit wir auch in Zukunft attraktive Partner für unsere Kunden sind? Welchen Prinzipien möchten wir dabei folgen? Wie wollen und müssen wir als Team agieren, damit wir unsere Ziele erreichen?

Und so wird ein Aushandlungsprozess notwendig, der dem Ziel dient, eine gemeinsame Basis zu schaffen, die das gemeinsame Tun unterstützt und gleichzeitig Raum für Vielfalt lässt.

Und vielleicht so viel schon mal vorab: wenn dieser Prozess in einem Team oder einer Organisation keine Konflikte verursacht, dann sind die Ergebnisse für die Katz‘. Denn es braucht eine kritische Reflexion bestehender Regeln der Zusammenarbeit wie auch neu entwickelter Grundsätze. Auch, wenn wir in unserem Kulturkreis eher konfliktscheu agieren, so steckt in der Auseinandersetzung unterschiedlicher Interessen und Blickwinkel ein riesiges Potential, für die eigene wie auch für die unternehmerische Entwicklung.

Vorhandenes Potenzial erkennen und erschließen – anstrengend, aber lohnenswert!

Teams, denen es gelingt, Konflikte konstruktiv zu lösen, legen damit das Fundament für ein Arbeitsumfeld, an dem Menschen sich mit all ihren Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen einbringen. Und mit diesem verlässlichen Fundament lassen sich dann auch herausfordernde Situationen einfacher meistern.

„Klingt ganz schön anstrengend!“ mag jetzt die eine oder der andere denken. Mmh, ja – irgendwie schon. Aber ich bin davon überzeugt, es ist die Anstrengung wert. Denn dabei lernst Du Dich nicht nur selbst besser kennen und entwickelst Dich weiter. Auch für die Organisation bietet dieses Vorgehen die Möglichkeit, das vorhandene Potential zu erkennen und zu erschließen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse…

Und was bedeutet das nun für Eure ersten Schritte hin zu New Work? Nun an dieser Stelle teile ich gerne meine wichtigsten Erkenntnisse der letzten fünf Jahre mit Euch:

„Der Weg ist das Ziel“
Und das bedeutet, dass Ihr schlussendlich nie ankommen werdet. Das klingt zuerst einmal nach Sisyphusarbeit, aber am Ende ist es vielmehr ein Roadtrip mit ein paar Streckenabschnitten durch unwegsames Gelände, ein paar chilligen Stationen zum Durchatmen aber auch ein paar aufregenden Wildwasserabfahrten. Und so erwarten Euch zwischendurch nicht nur Strapazen sondern auch ein paar spannende, faszinierende und erkenntnisreiche Stationen. Versprochen!

„Blaupausen Ade!“
Es gibt nicht den einen richtigen Weg! Was für andere funktioniert, muss weder für Dich, noch für Euch als Team passen. Wenn Ihr den Weg, den Ihr beschreitet, offen und neugierig geht, dann werdet Ihr auch zu wirksamen Lösungen kommen. Und so gibt es kein richtig und kein falsch, sondern hilfreiche oder weniger hilfreiche Lösungen.

„A fool with a tool is still a fool“
Oder anders formuliert Tools sind Tools und kein Allheilmittel. Und auch wenn das digitale Zeitalter noch so viele digitale Tools hervorbringt und hypt, so bleiben sie stets nur Hilfsmittel und nie „DIE“ Lösung. Am Ende entscheiden immer die Nutzer, durch ihre Haltung und Kompetenz, genauso wie die Anforderungen und die Unternehmenskultur über den gewinnbringenden Einsatz von Tools entscheiden. Und manchmal tuen es auch einfach nur Stift, Papier und eine Pinnwand.

„Form follows function“
Wenn Organisationen vom Bauhaus-Prinzip lernen, dann ist schon viel gewonnen. Denn dann folgen Strukturen wie auch Prozesse dem Unternehmenszweck und es wird alles weggelassen, was nicht diesem Ziel dient. Bei der Überprüfung bestehender Prozesse helfen zwei Fragen: In welcher Weise unterstützt der Prozess oder das Vorgehen den Unternehmenszweck? Wie könnten einfachere Lösungen aussehen?

Gute Gründe, keine Antwort zu finden

Okay, das war Dir jetzt alles zu unkonkret? Dann zum Abschluss noch ein ganz persönlicher Tipp:

Schnapp Dir ein Büchlein und schreibe dort die Frage rein, die Dich, in Bezug auf deine Arbeit im Moment am meisten bewegt. Und egal wie sie lautet, schreibe auf die nächste Seite die Antwort zur folgenden Frage: Was sind gute Gründe dafür, keine Antwort auf deine Frage zu finden? Manchmal sabotieren wir uns nämlich unbewusst selbst, weil wir Angst vor den vermeintlichen Konsequenzen haben. Doch sobald wir die Gründe aufgeschrieben haben, können wir uns mit ihnen auseinandersetzen. Und nun suche Dir drei Personen, mit denen Du Deine Frage und Deine Antworten diskutierst.

Bei der Beantwortung Deiner Frage wünsche ich Dir nun eine erkenntnisreiche Zeit und einen guten Start auf Deiner Reise zu „New Work“.

 

Über die Autorin

 

Bild von Nadine Nobile
New Work-Enthusiastin und Mitinitiatorin der #NewPay-Blogparade im Herbst 2017.

Nadine Nobile ist Gründerin von CO:X. Sie ist bekennende New Work Enthusiastin und unterstützt Menschen in Unternehmen als Prozessbegleiterin und Coach in Veränderungsprozessen. Potentiale erkennen und Entfaltung ermöglichen, lautet dabei ihr Leitsatz. Kooperation, Kollaboration und Ko-Kreation sind für sie die Schlüssel zur Zukunft der Arbeit. Gemeinsam mit Stefanie Hornung und Sven Franke initiierte sie im vergangenen Herbst eine Blogparade zu Vergütungsmodellen im Kontext der neuen Arbeitswelt. Im Spätherbst 2018 erscheint ihr gemeinsames Buch „New Pay – Alternative Arbeits- und Entlohnungsmodelle“ im Haufe-Verlag.

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