HR 2018: gegen Trends, für Zukunft

Arbeit ist im Wandel. Eine Binsenweisheit, die gerne Artikeln entspringt, die Personalmanagement-Trends für das neue Jahr ausrufen. Allerdings gibt es keine Jahrestrends (mehr). Zumindest, wenn es um die vielbesungene Digitalisierung von HR geht – und nicht um Hipster-Mode.

Kultureller Wandel: das Beispiel Working Out Loud

Keine Frage, es hat sich bereits viel in unserer Arbeitswelt getan. Wir sind erreichbarer, flexibler, kooperativer und ortsunabhängiger geworden. Das alles geschieht mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und natürlich werden die Entwicklungen von der Digitalisierung getrieben. Angefangen bei der Art und Weise, wie wir miteinander global vernetzt kommunizieren, haben sich nicht nur die technischen Möglichkeiten geändert, sondern vor allem die Kultur des Miteinanders.

Hierfür ist Working Out Loud als Methode und Bewegung ein hervorragendes Beispiel: weg vom Silo-Denken, hin zu agileren Prozessen, Wissenstransfer und kulturellem Wandel. Es wird nicht mehr „gemauert“, sondern Probleme werden in interdisziplinären Teams von Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen, Branchen und Schwerpunkten besprochen und bearbeitet – und das sowohl analog als auch digital vernetzt, selbstorganisiert, mit Spaß und ohne Denkverbote. Damit hat sich das, was die Entwicklung unter dem heute schon wieder museumshaft anmutenden Begriff Web 2.0 möglich gemacht hat, in unserer Arbeitswelt durchgesetzt: Schwarmintelligenz und Gemeinschaftskreation.

HR Startups: Indikatoren für den Wandel des Personalwesens

Tatsächlich wurde vor über 10 Jahren bereits vom Web 2.0 gesprochen. Und was damals von manchem als Spielerei belächelt wurde, ist für die meisten heute Bestandteil alltäglicher Arbeits- oder Freizeitkultur. Insofern lohnt sich der Blick auf aktuelle Entwicklungen immer dann, wenn man sie auch als solche versteht: als nachhaltige Wandlungsprozesse, die oft zunächst in unbedeutenden, spielerisch anmutenden Applikationen daherkommen.

So ist es auch im Bereich HR – nur, dass die Jungunternehmen auch hier schon längst der Spiel-Phase entwachsen sind. Werden Innovationen im Bereich der Finanz- und Versicherungstechnologie unter den Schlagwörtern „FinTech“ und „InsurTech“ öffentlich gefeiert und diskutiert, wirken Startups auch im Personalmanagement als wichtige Innovationstreiber. In Sachen Tragweite stehen sie den Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen FinTech und InsurTech in nichts nach – außer an Aufmerksamkeit. Doch auch daran wird gearbeitet. Beispiele dafür sind der Blog „Saatkorn“ von Gero Hesse, die Interview-Reihe des „HR Strategie Blog“ oder der HR Startup Award.

Digitale Tools verändern Unternehmen und die Gesellschaft

Unternehmensintern könnten digitale Technologien die Personalabteilung völlig neu positionieren. Mit den richtigen Tools wird HR von Verwaltungsprozessen befreit, die nicht nur standardisiert, sondern zunehmend auch individuell abgewickelt werden können. Dies schafft Kapazitäten, die beispielsweise dazu genutzt werden können, um das operative Business zu unterstützen und so Wettbewerbsvorteile zu schaffen – unter anderem durch People Analytics. Wie das konkret aussehen kann, formulierte kürzlich unter anderem Dr. Stephan Schmid, Partner der hkp/// group, hier bei Future of HR mit seinem griffigen Schlagwort „Embedded HR“.

Indem HR-Startups allerdings auch die Art und Weise verändern, wie wir miteinander arbeiten, verändern sie auch unsere Gesellschaft. Während viele über New Work sprechen, gehen sie es an. Ein Beispiel hierfür ist Tandemploy. Mit intelligenter Software, die Menschen und Wissen in Unternehmen miteinander vernetzt, schaffen sie die Voraussetzung für flexible Arbeit, genauer: Tandemploy ermöglicht es Unternehmen eine Stelle „im Tandem“ zu besetzen, also durch zwei Arbeitnehmer. Auch so werden verkrustete Strukturen gesprengt und die Arbeitswelt flexibler.

Mittlerweile gibt es unzählige Beispiele von jungen Unternehmen, die mit ihren Lösungen im Bereich HR ansetzen, allerdings potenziell wesentlich größeren „Impact“ ausüben werden, da sie am Ende die Arbeitnehmer betreffen – also uns. Wer das Rennen letztlich macht, spielt dabei weniger eine Rolle, als die Tatsache, dass schon heute vieles geschaffen wird, das nicht wieder abzuschaffen ist – im Gegensatz zu Side-Cut, Karottenhosen, Jute- oder Turnbeutel auf den Straßen Berlins.

New work, new pay – old problems?

Doch Vorsicht, bei allem Enthusiasmus für die Segnungen unserer Zeit und all den schönen Buzzwords: Die Digitalisierung hilft, Herausforderungen in HR zu bewältigen – aber Tools alleine können Fachkräftemangel & Co. nicht lösen. Vor dem aktivistischen herumdigitalisieren, sollte man deshalb erstmal einen Schritt zurücktreten. Genießen Sie das Panorama der Möglichkeiten, aber wählen Sie aktiv den Pfad, der Sie an Ihr Ziel bringt und machen Sie ganz bewusst einen Schritt nach dem anderen. Mögen auch das Binsenweisheiten sein, haben diese aber doch durchaus ihre Berechtigung. Der Wandel der Arbeitswelt ist vielstimmig und laut. Da helfen ein paar einfache Leitlinien. Kurzum: Lassen Sie sich für 2018 keine Jahrestrends unterjubeln, sondern widmen Sie sich der Zukunftsgestaltung. Frohes Neues!

 

Über den Autor

Constantin Härthe, Digital Communication Manager der hkp/// group

Constantin Härthe beschäftigte sich während seines Studiums sowie im angeschlossenen Forschungsstipendium mit dem digitalen Wandel und den daraus resultierenden Möglichkeiten für Medien und Kommunikation. Er war für unterschiedliche Medienhäuser tätig und konzipierte als Redakteur in der Kommunikation eines TV-Senders unter anderem einen Twitter-Kanal, baute die Social Media Präsenzen einer Wirtschaftsorganisation auf und arbeitete für Agenturen in den Bereichen PR und Bewegtbild. Heute arbeitet Constantin Härthe für das Marketing der hkp/// group und verantwortet hier die digitale Kommunikation.

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